„Die Kiste von Katlian“
Von Fischen, Föhnen und Fragmenten

Kunst ist heute weder Religion noch Meditation. Doch - zeigt uns Kunst nicht (immer noch und schon wieder) einen Weg in die blaue Ferne eines Unbestimmten? Wo liegt heute der Ort, den man früher das Paradies nannte? Mit Angelika Högers „Kiste von Katlian“ verändert sich unsere Sicht auf die Welt; und plötzlich beobachten wir anders als bisher und entdecken, dass die Welt noch in uns selbst weiter reicht, als wir ursprünglich dachten. Was wäre Kunst, wenn die Wirklichkeit kein Traum mehr wäre? …

Der unsichtbare Motor
Daniel Neugebauer

Eine Erfahrung machen wir in einem Augenblick. Im nächsten schon haben wir sie - die Erfahrung. Sie ist ein Teil von uns, Teil unserer Vergangenheit, Potential für unsere Zukunft. So erfahren wir die Welt und die Kunst. Angelika Höger macht Kunst- zur Welterfahrung. Was gedacht, was gefühlt, was begriffen werden kann, bringt sie in ein System, das wächst, weht oder wandert. Dieses System wurzelt oft in der Philosphie, wird von Höger aber als Spiel aufgefasst und weiterentwickelt. Abstrakte Theorie, sei es von Jaques Derida, Marcel Mauss oder Albert Camus, wird in ein Kunststück übertragen und so auf ihren praktischen Nutzen überprüft. Diese »Prüfung« dient der Einverleibung der Gedanken, dem persönlichen Nutzbar-Machen, das nicht selten den Zweck ins Absurde kehrt und genau dort die Frage nach einem neuen Sinn zu stellen weiß. Ihre Akteure auf diesen philosophisch-absurden Bühnen sind tanzende Gummihandschuhe, sich drehende Spielzeugdackel oder ein stets wiederkehrender »griechischer Chor« aus Trockenhauben. …

Eine widerspenstige Zähmung im Bestiarium von Angelika Höger
Friederike Fast

Auf wundersame Weise lebendig scheint das Werk von Angelika Höger. Bewegung, Raum und Sound spielen nicht nur in ihren Performances und musikalischen Auftritten eine wichtige Rolle, sondern auch in ihren Installationen werden die Dinge oftmals wie von Zauberhand in Bewegung versetzt. Längst ausgediente Plattenspieler, Föhne, Mixer oder Massagegeräte – Kulturwerkzeuge in allen Facetten – stimmen an zu einem kuriosen, oft auch klangvollen Reigen. Wie Karussells versetzen die drehenden Installationen den Betrachter in einen lustigen Taumel. Hemmungslos quellen Erbsen über den Rand der Gefäße hinaus und kullern wie in der Erzählung von den Heinzelmännchen aus Köln über den Boden, wo sie den Besucher gefährlich ins Rutschen bringen können (vgl. Aufbruch nach Süden, 2008 oder Die wohltemperierte Freiheit, 2009). …